Sexualität ist nahezu immer mit einem Austausch von Körpersekreten, Bakterien und Viren verbunden. Daher kann es sinnvoll sein, sich in größeren Zeitintervallen auf chronische Infektionen wie HIV, Syphilis und ggf. auch HCV testen zu lassen. Andere sexuell übertragbare Erreger (Chlamydien, Gonokokken und Mykoplasmen) werden durch verschiedene Symptome auffällig oder verbleiben als asymptomatische Infektionen nur vorübergehend im Körper. Einerseits kann die Auseinandersetzung mit der körpereigenen Immunabwehr eine temporäre Immunität gegen den Erreger beim Host bewirken. Andererseits führen diese immunologische Auseinandersetzung zu Schleimhautirritationen und kann (ohne Schutzmaßnahmen) die Empfindlichkeit für eine HIV-Infektion erhöhen. Mit der NAAT Technik werden bereits geringste Mengen sexuell übertragbaren Erregern auch ohne Krankheitszeichen detektiert. In der Folge sind positive Befunde und Antibiotikaverbrauch um ein Vielfaches angestiegen und damit die Gefahr der Resistenzentwicklung der verschiedenen Erreger. Bestand zunächst die Hoffnung, durch Unterbrechen der Übertragungsketten die STI-Prävalenz in der Community zu senken, stellen wir fest, dass trotz der Ausweitung von Diagnostik und Therapie dies nicht gelungen ist, weder in der Allgemeinbevölkerung noch in den Gruppen mit spezifischen Risikoprofilen. Die stärker werdende Awareness in der Community für Themen der sexuellen Gesundheit führt ebenfalls zu mehr Testanfragen. Gleichzeitig scheint sich die individuelle Sorge, allein über das potentielles Vorhandensein einer STI, zu verselbständigen. Diese subjektiven Faktoren treiben ebenfalls die Drehung der Spirale von Testanfrage – positiver Befund – antibiotische Therapie – Resistenzentwicklung an. Es ist Zeit unsere Strategien zu überprüfen. In dieser Veranstaltung wollen wir durch kurze Beiträge unsere aktuelle STI-Test/Screening Praxis kritisch hinterfragen und im Anschluss mit dem Publikum relevante Fragen diskutieren. |